DIE TIEFE DER SÜNDE OFFENBART DIE TIEFE DER LIEBE GOTTES

 

"Die Sünde ist etwas Entsetzliches,- wie entsetzlich, das zeigt uns das Kreuz von Golgatha,

- das zeigt uns der millionenfache Jammer auf dieser Erde, das zeigt uns unsere eigene Qual,

das zeigt uns das Gericht Gottes. Sie scheidet uns von Gott, sie bricht Gottes Herz. Und doch:

Sie offenbart wie nichts anderes das Herz Gottes!

Die Tiefe der Sünde offenbart die Tiefe der Liebe Gottes.

Unsere Armut offenbart Seinen Reichtum, - unsere Krankheit und Schwacheit Seine Kraft.

Der Unglaube schaut auf die Menschen:

Wie kann Gott aus solchem Material solche Herrlichkeit machen?

Der Glaube schaut auf die Herrlichkeit des Herrn.

Wir wachsen zur Göttlichen Größe nicht, indem wir unser Elend,

unsere Sünde und Schande, unsere Lumpen ansehen,

sondern nur, indem wir Ihn anschauen, in Sein Herz schauen!

Aus solchen Tiefen gekommen, lernt die Braut das Jubellied."

 

(J. Lohmann aus dem Buch "Zur Göttlichen Größe")

"Gottes Wege" (Walther Zilz)


Gottes Wege sind von Licht,
auch da, wo wir es nicht sehen,
alles Sein Führen irret nicht,
wenn wir es auch nicht verstehen.

 

Er schaut im Zusammenhang, 
was vereinzelt wir nur wissen,
Alles ist Sein Segensgang,  
auch der Weg in Finsternissen.

 

Alles will zur Ewigkeit,
Irgendwie uns zubereiten,
alles will uns aus der Zeit
In die ew´ge Heimat leiten.

 

Darum gehe deinen Pfad,
den dein Gott dich führt, ohn´ Sorgen 
überall ist Seine Gnad, 
gestern, heute und auch morgen.

 

Gerhard Tersteegen (1697 -1769)

Gerhard Tersteegen (in niederdeutscher Schreibweise „Gerrit ter Steegen“) wurde am 25.11.1697 in Moers, im Grenzland zwischen Deutschland und den Niederlanden, geboren. Nach dem Tod seines Vaters im Jahr 1703 verarmte die Familie mit acht Kindern, so dass der begabte Schüler die Lateinschule mit 15 Jahren verlassen musste. Seine Mutter drängte ihn zum Erlernen des Kaufmannberufes , was er im Betrieb seines Schwagers in Mühlheim a.d. Ruhr schließlich auch ausübte. Im Alter von bereits 16 Jahren wurde er von der Gnade des Herrn Jesus Christus ergriffen , worüber sich nicht viel Ausführliches berichten lässt,- nur soviel: Er war mit einem wirklich bekehrten "Kollegen" befreundet , von dem er viel Gutes über das Christsein erfuhr. Auch war er bei einem niedergeschriebenen Dankgebet eines auf dem Sterbebett liegenden Predigers tief berührt worden. Nach dem Besuch  mehrerer Gottesdienste  empfand er die Güte und Gnade des Herrn so stark, daß er seine Sinnesänderung und Buße sehr ernstlich suchte, und ganze Nächte mit Beten und Lesen der Heiligen Schrift verbrachte. Der folgende Umstand scheint aber doch ausschlaggebend für seine wirkliche Umkehr gewesen zu sein:  In Duisburg bei einem Waldspaziergang überfielen ihn derart heftige Kolikschmerzen, dass er nichts weniger als den drohenden Tod vermutete.  Er flehte Gott inbrünstig um Befreiung dieser Schmerzen und um eine Verlängerung seiner Lebensfrist an , damit er Zeit hätte , sich auf die Ewigkeit gehörig vorzubereiten. Die Schmerzen verschwanden umgehend.  Daraufhin ward er auf innigste bewogen, sich dem so guten und gnädigen Gott ganz zu übergeben , -ohne jeden Vorbehalt. Nach anfänglicher Freude und Segnungen führte ihn der Herr allmählich in schwere , innere Leiden. Er musste  durch manche Dunkelheiten , Versuchungen und Prüfungen gehen , wobei ihn Gott zudem die zuvor verspürte Gnade  nicht mehr empfinden ließ , um seine Treue und  ausharrende  Geduld zu prüfen  und ihn auf seine zukünftige Wirksamkeit vorzubereiten. Fünf Jahre dauerte diese Finsternis,  bis ihm schließlich auf einer Reise in eine benachbarte Stadt das Licht der Gnade Christi wieder in die Seele schien , was ihn sofort dazu veranlasste, das schöne Lied "Wie bist du mir so innig gut, mein Hohepriester du" zu komponieren.  1725 begann er,- vornehmlich im Bergischen Raum,- zu predigen, wodurch er viele Seelen für das Reich Gottes gewinnen durfte, und er hatte aufgrund seiner seelsorgerlichen Gabe auch privat einen großen "Andrang".   Fast durchgehend war Gerhard Tersteegen mit Krankheit und Schwachheit behaftet , und nicht selten sah er aufgrund seines Zustandes wie ein Toter aus, wobei aber doch stets ein Leuchten aus seinen Augen strahlte, das von seiner inwendigen Freude  ahnen ließ. Diese gänzliche Überlassung an Gottes liebsten Willen und Wohlgefallen war den ihm nahestehenden Menschen ein Trost , ansonsten wäre es ihnen nicht möglich gewesen, so schwere Leiden eines innig geliebten Freundes mit anzusehen. Am 3.April 1769 verstarb er selig morgens gegen 2 Uhr.

Ach wie laufen doch die Jahre

 
 
Herr, ich bin ja zu geringe
dieser großen Gütigkeit.
Wenn ich mein Verzeichnis bringe
der bisher genoss´nen Zeit,
so entfällt mir aller Mut, 
weil die Rechnung gar nicht gut.
Wie viele Jahre sind verdorben,
da ich nicht der Welt gestorben!
 
 Doch ich will auf Mittel denken 
und auf Buße sein bedacht;
Jesus kann die Schuld versenken,
die ich bis hierher gemacht.
Lieber Vater, steh mir bei,
daß nur keine Heuchelei
sich in meinem Herzen finde,
wenn ich des mich unterwinde.
 
Willst du mich noch ferner lassen,
hier in dieser bösen Welt,
ach so hilf mir alles hassen,
was dem Geiste nicht gefällt.
Stärke mich von deiner Höh,
so wird auch das größte Weh,
das mir oft zu schwer geschienen,
mir zu meinem Besten dienen.
 
 Endlich, wenn der Lauf zu Ende,
so befehl ich meinen Geist 
dir in deine treuen Hände,
der du Gott und Vater heißt.
Ach ich freu mich schon darauf,
daß ich nach vollbrachtem Lauf
dort der Freude soll genießen,
wo wir keine Zeit mehr wissen.
(G. Tersteegen)
"Aller Sieg..."
 

"Allein die Waffen unserer Gotteskindschaft sind nicht fleischlich, sondern geistlich. Aller Sieg  liegt  in einem  stillen , leidsamen , gläubigen und betenden Sinn. Die hitzige , harte Naturkraft  muß an Christi  Kreuz geheftet und durch gläubige Versenkung in  Seinen versöhnenden, sanften Liebessinn  gebrochen werden und versüßt, so dass nichts als erbarmende Liebe , Wohlwollen  auch gegen die Widerwärtigen gehegt werde.  So hat Christus über alle Höllenmächte triumphiert!"

 
(G. Tersteegen)

 Gott in der Stille begegnen

 

 

"Schau, wie ich in mancherlei

meinen Sinn so leicht zerstreu :

Drum so leb´ich in Beschwerden,

lass mich in Dir Eines werden.

Einzig, innig, Du allein

musst meines Geistes Ruhe sein.

 

In der Welt und Kreatur

wird mein Geist geängstigt nur:

Könnt ich allem mich verschließen,

Deinen Frieden nur genießen,

los und bloß und ungestört,

Jesus, ganz in Dich gekehrt.

 

Du und ich in Einsamkeit,

innig außer Raum und Zeit,

da ich an mich selbst nicht denke,

Dich nur schau´, in Dich mich senke:

Ach, wie ist es da so gut,

wenn man so in Jesu´ ruht.

 

In der Unruh´ bleibe Du

heimlich meine tiefe Ruh´.

Du, Herr und Dein süßer Wille

sei in allem meine Stille:

Und so acht´ich keinen Schmerz,

gib´mir nur ein stilles Herz."

 

(Gerhard Tersteegen)

PAUL GERHARDT

Der auch als "Psalmist der Christenheit" bezeichnete Autor vieler Lieder wurde am 12. März 1607 in Gräfenhainchen, unweit von Wittenberg, geboren. Sein Vater war Bürgermeister und Gastwirt in diesem Städtchen. Mütterlicherseits waren Großvater und Urgroßvater Pastoren, was zur Folge hatte, dass Paul Gerhardt lutherisch erzogen wurde. Es war die Zeit des Kirchenkampfes der aus der Reformation entstandenen beiden Konfessionen. Erst als 44jähriger wurde er schließlich Pfarrer und Probst in Mittenwalde in der Mark. Sein Amtsvorgänger wurde von einem schwedischen Soldaten in der Kirche erschossen. Auch heiratete er erst sehr spät mit 48 Jahren.

1668 starb seine Frau. Ihm blieb nur noch ein Sohn. 1669 bekam er in Lübben im Spreewald noch mal eine Stelle, die er sieben Jahre bis zu seinem Tode inne hatte.

 

Gib dich zufrieden (Paul Gerhard)

 

Gib dich zufrieden und sei stille
in dem Gotte deines Lebens!
In ihm ruht aller Freuden Fülle,
ohn ihn mühst du dich vergebens;
er ist dein Quell und deine Sonne,
scheint täglich hell zu deiner Wonne.
Gib dich zufrieden. 

 
 Er ist voll Lichtes, Trosts und Gnaden,
ungefärbtes, treuen Herzens;
wo Er steht, tut dir keinen Schaden
auch die Pein des größten Schmerzens.
Kreuz, Angst und Not kann Er bald wenden,
ja, auch den Tod hat Er in Händen.
Gib dich zufrieden. 
 
Wann gar kein Einz'ger mehr auf Erden,
dessen Treue du darfst trauen,
alsdann will Er dein Treuster werden
und zu deinem Besten schauen.
Er weiß dein Leid und heimlich Grämen,
auch weiß Er Zeit, dir's abzunehmen.
Gib dich zufrieden. 
 
 Er hört die Seufzer deiner Seelen
und des Herzens stilles Klagen,
und was du keinem darfst erzählen,
magst du Gott gar kühnlich sagen.
Er ist nicht fern, steht in der Mitten,
hört bald und gern der Armen Bitten.
Gib dich zufrieden. 
 
 Sprich nicht: Ich sehe keine Mittel,
wo ich such, ist nichts zum Besten!
Dann das ist Gottes Ehrentitel:
helfen, wann die Not am größten.
Wenn ich und du ihn nicht mehr spüren,
tritt Er herzu, uns wohl zu führen.
Gib dich zufrieden. 
 
 Bleibt gleich die Hilf in etwas lange,
wird sie dannoch endlich kommen;
macht dir das Harren Angst und Bange,
glaube mir, es ist dein Frommen.
Was langsam schleicht, fasst man gewisser,
und was verzieht, ist desto süßer.
Gib dich zufrieden. 
 
 Nimm nicht zu Herzen, was die Rotten
deiner Feinde von dir dichten;
lass sie nur immer weidlich spotten,
Gott wird's hören und recht richten.
Ist Gott dein Freund und deiner Sachen,
was kann dein Feind, der Mensch, groß machen?
Gib dich zufrieden. 
 

 Er wird uns bringen zu den Scharen
der Erwählten und Getreuen,
die hier mit Frieden abgefahren,
sich auch nun im Frieden freuen,
da sie den Grund, der nicht kann brechen,
den ewgen Mund selbst hören sprechen:
Gib dich zufrieden. 

 

 

"Befiehl du deine Wege... "

 

1. Befiehl du deine Wege,
und was dein Herze kränkt,
der allertreusten Pflege
des, der den Himmel lenkt!
Der Wolken, Luft und Winden,
gibt Wege, Lauf und Bahn,
der wird auch Wege finden,
da dein Fuß gehen kann. 

2. Dem Herren mußt du trauen,
wenn dir's soll wohlergehn;
Auf sein Werk mußt du schauen,
wenn dein Werk soll bestehn.
Mit Sorgen und mit Grämen
und mit selbsteigner Pein
läßt Gott sich gar nichts nehmen:
Es muß erbeten sein. 

3. Dein' ew'ge Treu' und Gnade,
O Vater, weiß und sieht,
Was gut sei oder schade
Dem sterblichen Geblüt;
Und was du dann erlesen,
das treibst du, starker Held,
und bringst zum Stand und Wesen,
was deinem Rat gefällt. 

4. Weg' hast du allerwegen,
an Mitteln fehlt dir's nicht;
Dein Tun ist lauter Segen,
dein Gang ist lauter Licht,
dein Werk kann niemand hindern,
dein' Arbeit darf nicht ruhn,
wenn du, was deinen Kindern
ersprießlich ist, willst tun. 

5. Und ob gleich alle Teufel
hier wollten widerstehn,
so wird doch ohne Zweifel
Gott nicht zurückegehn;
Was er sich vorgenommen,
und was er haben will,
das muß doch endlich kommen
zu seinem Zweck und Ziel. 

6.Hoff, o du arme Seele,
hoff und sei unverzagt!
Gott wird dich aus der Höhle,
da dich der Kummer plagt,
mit großen Gnaden rücken;
Erwarte nur die Zeit,
so wirst du schon erblicken
die Sonn' der schönsten Freud'. 

7. Auf, auf, gib deinem Schmerze
und Sorgen gute Nacht!
Laß fahren, was dein Herze
betrübt und traurig macht!
Bist du doch nicht Regente
der alles führen soll;
Gott sitzt im Regimente
und führet alles wohl. 

8. Ihn, ihn laß tun und walten,
er ist ein weiser Fürst
und wird sich so verhalten,
daß du dich wundern wirst,
wenn er, wie ihm gebühret,
mit wunderbarem Rat
die Sach' hinausgeführet,
die dich bekümmert hat. 

9. Er wird zwar eine Weile
mit seinem Trost verziehn
und tun an seinem Teile,
als hätt' in seinem Sinn
Er deiner sich begeben,
und sollt'st du für und für
in Angst und Nöten schweben,
frag' er doch nichts nach dir. 

10. Wird's aber sich befinden,
Daß du ihm treu verbleibst
so wird er dich entbinden,
da du's am mind'sten gläubst;
Er wird dein Herze lösen
von der so schweren Last,
die du zu keinem Bösen
bisher getragen hast. 

11. Wohl dir, du Kind der Treue!
Du hast und trägst davon
mit Ruhm und Dankgeschreie
den Sieg und Ehrenkron'.
Gott gibt dir selbst die Palmen
in deine rechte Hand,
und du singst Freudenpsalmen
dem, der dein Leid gewandt. 

12. Mach End', o Herr, mach Ende
an aller unsrer Not,
Stärk unsre Füß' und Hände
und laß bis in den Tod
uns allzeit deiner Pflege
und Treu' empfohlen sein,
so gehen unsre Wege
gewiß zum Himmel ein.